Die Beschaffenheit von Nähe

Gedanken zu Bildern der Ausstellung „Die Beschaffenheit von Nähe“

-es kommt etwas dazwischen-

Beim einander Nahekommen wird der Zwischenraum kleiner, dabei entsteht eine Spannung, die bei der Betrachtung von Anne Ullrichs Bildern spürbar wird. Diese Spannung, die den Eros der Berührung ausmacht, kann sich, wird sie zu groß, auch gewaltsam entladen. Neben der Zartheit der Formen kommt es daher in den Bildern immer wieder zu Brüchen und Eingriffen, die die Widersprüchlichkeit von Nähe, das Beisammensein von Offenheit und Abwehr – Berührung und Verletzung widerspiegeln.

Starkes Helldunkel bestimmt oft die Bildfläche in reizenden Kontrasten- umso deutlicher wirken die Linien und Formen. Bisweilen kommen auch kraftvolle Farben hinzu und lassen mit linearen Texturen ein räumliches Szenario sich in den Bildern verdichten.

Anne Ullrichs Bilder sind ein Nachdenken über die Begegnung und ihre Formen: Begegnung in Zugewandtheit, in Umarmung oder Tanz- aber auch ein Umschlagen in Aggression und Kampf. Dabei widmet Anne Ullrich vor allem dem Raum der Begegnung ihre Aufmerksamkeit: Dort kommt etwas dazwischen – und die zuerst empfundene Harmonie wird bisweilen durch Härte, durch nahezu brutale Linien gewaltsam oder lustvoll gestört.

Lust an dieser ursprünglichsten Auseinandersetzung kann für den offenen Betrachter in Anne Ullrichs Werken unmittelbar werden.

 

Autorin Elisabeth Mittag

 

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